AUTOMOBILINDUSTRIE AUF MALLORCA

1919 begannen die beiden Mallorquiner ''Antoni Rivas''
und ''Rafael de Lacy'' mit dem Vertrieb von Automobilen
auf Mallorca. Zu der Zeit, als gerade die ersten fünfhundert
Automobile aus Frankreich, den USA und Deutschland auf
den Straßen der Balearen fuhren, übernahmen
Rivas und Lacy den Vertrieb des französischen Automobilherstellers
De Dion-Bouton und erwarben gleichzeitig eine Lizenz
zum Eigenbau von Fahrzeugen. In den Räumen ihres
Freundes ''Ferran Alzamora'', ''Talleres Hereter''
der Firma Alzamora S.A. in Palma, entstand ihre erste
Automobilwerkstatt.
23. Januar 1920 wurde die Firma LORYC S.A. gegründet
und im Handelsregister eingetragen. Der Name LORYC setzte
sich aus den Anfangsbuchstaben der Firmengründer
zusammen: '''L'''acy, '''O'''uvrard, '''R'''ivas, '''Y'''
stand für „und“, sowie '''C'''ia. Weiter
waren als Firmengründer beteiligt: ''Alberto Agustin
Reus'', ''Antonio Darder Ripoll'', ''Antonio Socias Morell'',
''Pedro Montaner Gual'' und ''Fernando Alzamora Conrad''.
Noch im gleichen Jahr wurde mit der Produktion von eigenen
Fahrzeugen in der ''Avenida Alejandro Rosellio'' in Palma
begonnen. Die Technische Leitung hatte ''Alberto Ouvard'',
der zuvor bei Renault in Frankreich gearbeitet hatte.
Ende 1920 erhielt der erste Loryc seine Straßenzulassung.
Mit dem Kennzeichen PM 507 war nun das erste in Mallorca
gebaute Automobil auf den Straßen der Insel zu sehen.
Dieses erste Fahrzeug war ein Zweisitzer. Später
folgte auch ein Dreisitzer, wobei diese Version eine aus
dem Heck herausklappbare, unüberdachte Sitzbank hatte.
Schnell bekam das Auto unter der Bevölkerung den
Spitznamen ''„La Sardina“'', wohl deshalb,
weil die Karosserie aus Aluminium bestand und die Form
einer Ölsardinendose ähnelte. Das erste Modell
hatte einen Motor von RUBY mit sechs Pferdestärken.
Es war ein Monoblockmotor, seitengesteuert mit obenliegenden
Ventilen. Das Getriebe war direkt im Motorblock untergebracht
und hatte drei Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang.
Die Reifengröße entsprach der Dimension 710
x 90. Die Beleuchtung bestand aus Gaslampen, die mit [[Ethin|Acetylengas]]
betrieben wurden.
Ende 1921 gab es bereits drei Modelle der Automobilfirma
LORYC. Ein Cabriolet, eine geschlossene Limousine
und die neu entstandene dreisitzige Cabrio-Variante.
1922 wurde der erste Dreisitzer LORYC mit der Zulassung
PM 788 an den Inhaber der Firma MUSA, ''Pedro Roig Biquerra'',
ausgeliefert und die Sport- und Rennversion vorgestellt.
Mit der Lizenz von E.H.P. wurde ein offener Rennwagen
mit einem Vierzylinder-Motor von 1000 Kubikzentimeter
Hubraum, 34 PS Leistung, obenliegenden
Ventilen und angeflanschtem Getriebe gebaut. Das Fahrzeug
erreichte Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 140 km/h.
Zahlreiche Wettbewerbe wurden erfolgreich damit bestritten.
Der Rennfahrer ''Particio Satrústegui'' belegte
bei der ''III. Trofeo Armanque in Barcelona'' den dritten
Platz, während der ''IV. Vuelta a Cataluña''
belegte der LORYC in seiner Klasse den ersten Platz. Mit
Fahrer ''Frick Armaque'' am Steuer wurde eine dritte Platzierung
in Le Mans beim ''Großen Preis von Frankreich''
erreicht, die schnellste Runde ging ebenfalls an die Mannschaft
des LORYC. Viele weitere Preise bei kleineren Veranstaltungen
wurde von dem Loryc erfolgreich herausgefahren.
Auf der II. Internationalen Automobilausstellung in [[Barcelona]]
stellte LORYC seine Fahrzeuge dem kritischen Publikum
vor. Die Nachfrage war enorm, denn LORYC hatte sich bereits
mit robusten und zuverlässigen Fahrzeugen einen Namen
gemacht.
Auf Grund des Messeerfolges zog die Produktion 1923 in
größere Räume um. Rund 60 Mitarbeiter
waren zwischenzeitlich im LORYC-Werk auf der Baleareninsel
beschäftigt. Der Verkaufspreis eines LORYC lag 1923
bei 5000 Pesetas, einen Citroën 5CV gab es
damals für rund 4000 Pesetas. Rund 120 Einheiten
verließen das Werk ''S`Aigo Dolça'' in Palma.
Ende 1923 bekam LORYC Schwierigkeiten mit der Materialbeschaffung.
Außer der Karosserie und dem Fahrgestell, die vollständig
in Mallorca gebaut wurden, kaufte Ouvard Motoren und Teile
aus Frankreich bei den Herstellern EHP, S.C.A.P. und
Ruby zu. Durch die Handelswege und
Einfuhrbeschränkungen lagen die Teile oft mehrere
Monate beim Zollamt fest. Der spanische König Alfonso
XIII. schaltete sich höchstpersönlich
ein und verfasste ein Dekret 22/4/23, um die Einfuhr zu
erleichtern. LORYC S.A. kam aber durch die Verzögerungen
immer weiter in Finanzierungsprobleme und musste schließlich
Ende 1925 das Werk in Palma schließen.
Heute
Von dem kleinen Loryc, der auch heute noch von Oldtimerfreunden
''„La Sardina“'' genannt wird, gibt es
noch sechs fahrbereite und gut erhaltene Exemplare
in Privatbesitz von Sammlern. Vier davon befinden
sich auf Mallorca, unter anderem das Fahrzeug mit
dem Kennzeichen PM 507, zwei weitere auf der Insel
Menorca. Von einem weiteren Fahrzeug, das einmal
Ernest Hemingway gehört
haben soll und in den 1920er Jahren in Paris betrieben
wurde, fehlt bis heute jedoch jede Spur.
Im Werksgebäude ''S`Aigo Dolça'' wurden nach
der Aufgabe von Loryc S.A. Teile des Instituto Oceanografico
untergebracht.
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